Aus Genua in die Welt
Die Costa Unternehmensgeschichte

Einiges hat sich seit dem Jahr 1948 verändert: Drei Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs wird in den westlichen Besatzungszonen die Deutsche Mark eingeführt und Konrad Adenauer ist noch ein Jahr vom Beginn seiner ersten Amtszeit als Bundeskanzler entfernt. In den USA kostet ein Laib Brot 9 Cent, ein brandneues Auto etwa 1.500 Dollar. Trotzdem haben sich manche Dinge seit 1948 hartnäckig gehalten und sind heute noch so präsent wie vor 70 Jahren. Einer dieser Dauerbrenner ist das charakteristische C, das heute wie damals auf den Schornsteinen der Schiffe von Costa Crociere prangt. 70 Jahre nachdem erstmals ein Costa Schiff Passagiere übers Meer brachte, sind die Schornsteine mit dem blauen C in Häfen auf der ganzen Welt bekannt und gern gesehen.

Es begann in Genua

Doch wie wurde die Familienreederei aus Genua zu einer der größten und erfolgreichsten Europas und der Welt? 1854 gründeten die Brüder Giobatta und Giacomo Costa das Handelsunternehmen Costa fu Andrea und verschifften fast 100 Jahre lang Olivenöl und edle Stoffe in die ganze Welt – die ersten Schiffe könnte man also als Öltanker der besonderen Art bezeichnen. Am 31. März 1948, nachdem im Zweiten Weltkrieg sieben von acht Costa Schiffen zerstört worden waren, startete die Anna C, das erste Passagierschiff des neu aufgebauten und Linea C genannten Unternehmens. Dies markiert die Geburtsstunde von Costa in seiner heutigen Form, auf die sich die Reederei bei Jubiläen bezieht. Die erste Costa Route war eine Tour, die heutzutage wohl als Transreise bezeichnet werden würde: Sie führte von Genua über den Atlantik nach Rio de Janeiro.

Statue auf einem Berg Blick zum Meer

Wachstum durch Massenmigration und Innovation

Viele der 768 Passagiere an Bord des ersten Passagierschiffs waren keine Urlauber, sondern nutzten die Anna C als Transportmittel – an einen erschwinglichen und flächendeckenden Flugverkehr war in den späten 1940ern noch nicht zu denken. Klimaanlagen, die heute natürlich zur Standardausrüstung gehören, stellten auf der Anna C einen ungeheuren Luxus und ein Alleinstellungsmerkmal dar!

Schon bald vergrößerte die Linea C ihre Flotte: Mit der Luisa C und der Franca C folgten zwei weitere Schiffe, die ebenfalls den Liniendienst zwischen Europa und Südamerika aufnahmen. Dabei profitierte die Reederei zum einen vom Status Italiens als Auswandererland, zum anderen von einer revolutionären Idee: In Monaten mit geringer Passagierauslastung bot die Linea C Vergnügungsfahrten im Mittelmeerraum an, 1959 war der heutige Costa Konzern der weltweit erste Reiseveranstalter, der Kreuzfahrten in die Karibik durchführte. So wurden neue Märkte geschaffen und quasi nebenbei eine konstante Auslastung der Schiffe sichergestellt.

4 Glocken Blick zum Meer

Costa Kreuzfahrten setzen neue Luxus-Standards

Nicht nur die Ziele des Unternehmens versprachen besondere Exklusivität, auch die Tatsache, dass auf der Franca C, mit der die Fahrten durchgeführt wurden, nach einem Umbau jede Kabine über eine eigene Dusche und ein WC verfügte, sorgte für Aufsehen. Die Franca C war zu diesem Zeitpunkt bereits über 40 Jahre alt, im Jahr 2010 war das 1914 gebaute Schiff das älteste noch fahrende Passagierschiff der Welt. Schnell erweiterte die Linea C ihr Angebot und veranstaltete Reisen von Südamerika in die Antarktis und auf dem Schwarzen Meer. Mitte der 1960er folgte ein weiterer Meilenstein: Der Neubau Eugenio C verzichtete als erstes Costa Flottenmitglied auf die damals typische Einteilung in Passagierklassen und verfügte bereits über das noch heute typische Kreuzfahrtschiff-Design.

Costa Schiff Luftaufnahme

Costa: Kreuzfahrt-Unternehmen im Wandel

1967 wurde Costa vom Familienunternehmen zum „big Player“: Die Schifffahrtsaktivitäten wurden von Olivenöl- und Textilhandel getrennt, die Familie Romanengo wurde als Anteilseigner Teilhaber an der neu gegründeten Costa Armatori S.p.A. Um Reisenden Kurzreisen auf einem fremden Kontinent zu ermöglichen, führte die Reederei ein Jahr später das noch heute bekannte „Fly & Cruise“ Konzept ein, das eine Kreuzfahrt mit einer Anreise per Flug kombiniert.

In den 1970ern und 1980ern wuchs die Flotte trotz mehrerer Umstrukturierungen des Unternehmens stetig an und wandelte sich von Passagier- zu Urlaubsschiffen. Ein wichtiger Schachzug, denn die weltweite Phase der Massenmigration hatte geendet und Reisen per Flugzeug wurden immer populärer. Umso wichtiger war es, die Schiffe mit dem C auf dem Schornstein zu schwimmenden Hotels zu machen und Gästen Entspannung an Land und an Bord zu bieten. Eine solche Aufgabe erfordert höchste Konzentration und Expertise, weshalb das Unternehmen 1986 alle Geschäftsbereiche abseits des Kreuzfahrtbetriebs verkaufte und sich nur noch auf Reisen auf dem Meer konzentrierte.

  • Hafen Blick zum Meer
  • Costa Schiff Außenansicht
  • Costa Favolosa im Hafen

    Gescheiterte Russland-Expansion

    In den frühen 1990ern wollte die italienische Reederei auch den sowjetischen Markt erschließen und schuf gemeinsam mit dem Staatsunternehmen Sowkomflot das Joint Venture Prestige Cruises. Ein drastischer Wandel in der Weltpolitik setzte dem Projekt ein jähes Ende: 1991 zerbrach die Sowjetunion, der Kollaps brachte die Pläne für Prestige Cruises bereits nach einem Jahr zum Scheitern. Trotzdem wuchs die Reederei in den 1990ern stetig weiter, durch die Übernahme der französischen Croisieres Paquet wurden die Mermoz und Costa Playa Teil der Flotte.

    Costa Schiff Luftaufnahme von Hinten

    Ein globaler Kreuzfahrt-Konzern

    2000 wurde Costa Teil der Carnival Corporation, zu der neben der bekannten deutschen Marke AIDA auch zahlreiche andere Tochtergesellschaften gehören. AIDA, die Carnival Cruise Line, die Cunard Line, Fathom Cruise Lines, Holland-America Line, P&O Cruises, P&O Cruises Australia, Princess Cruises und die Seabourn Cruise Line verfügen zusammen über 100 Schiffe und machen Carnival zum größten Kreuzfahrt-Unternehmen der Welt!

    Bereits drei Jahre vor der vollständigen Eingliederung hatte Carnival die Hälfte der Anteile an Costa erworben. Es folgten Investitionen in Höhe von 16 Milliarden Euro bis zum Jahr 2016. Anfang 2018 verfügt Costa über 15 Schiffe, vier Neubauten sind bis 2021 geplant. Auf dem asiatischen Markt ist die Reederei inzwischen ebenfalls vertreten, Costa neoRomantica, Costa Fortuna, Costa neoClassica und Costa Victoria sind auf asiatische Gäste ausgerichtet und fahren für das Tochterunternehmen Costa Asia unter anderem in Japan, Singapur und Thailand. Ein Ende ist für Costa und das blaue C nach 70 Jahren also nicht in Sicht!

    Aida Schiff Weitaufnahme

    Die Bedeutung des blauen C

    Aber was hat es nun mit dem blauen C auf sich, diesem zeitlosen Emblem, das die Costa-Flottenmitglieder kennzeichnet und ihnen einen unverwechselbaren Look verleiht? Beim Design des Reedereien-Logos spielte es nicht nur eine Rolle, dass Blau und Gelb als Komplementärfarben optisch ansprechend wirken, hinter der Farbgebung steckt auch eine Symbolik: Das blaue C soll für den Ozean, der goldgelbe Hintergrund für das Olivenöl, das die ersten Costa-Schiffe transportierten, stehen.

    Von geringfügigen Änderungen abgesehen, sollte das Logo bis 1990 mehr oder weniger das Gleiche bleiben. Dann kamen die Schornsteine ins Spiel: Ab 1994 zeigte das Emblem drei Abzüge, allerdings nicht in einer realistischen Perspektive. Dies wurde vor der Jahrtausendwende geändert, seitdem umschließt das blaue C drei Schornsteine, die wie die eines vorbeifahrenden Schiffs wirken. Das die Kamine einrahmende C symbolisiert Gastfreundlichkeit und Herzlichkeit – typisch italienisch eben!

    Costa Deck Blaues C